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Definieren Sie Ihre Strategie für die Net Zero-Transformation

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Sesilia Plavina Sustainability Solutions Manager
Mark Chadwick Managing Director, Sustainability Solutions – EMEAI
Nicolas Lefevre-Marton Managing Director, Sustainability Solutions - EMEA
Net Zero Carbon
Decarbonization

Mehr als 3.000 Unternehmen und fast 175 Großinvestoren haben neben Städten und Regionen weltweit Net Zero-Emissionsziele ausgegeben. Viele von ihnen haben sich erst in den letzten 12 Monaten dem sog. "Race to Zero" angeschlossen. Laut einer neuen Umfrage, die ENGIE Impact bei 400 Führungskräften großer multinationaler Konzerne durchgeführt hat, sehen sich 77 % der Befragten bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsprogramme als mindestens moderat erfolgreich. Dies sind ermutigende Signale. Die meisten Unternehmen stehen auf dem Weg zur Dekarbonisierung jedoch erst am Anfang. Fast alle Führungskräfte bewerten die Erfolgsbilanz gemischt und sehen Raum für Verbesserungen.

Fakt ist, dass viele dieser Unternehmen schnell die Größenordnung der erforderlichen Veränderungen realisieren. Net Zero zu erreichen bedeutet eine Transformation, die weit über die schrittweisen Veränderungen hinausgeht, mit denen Unternehmen üblicherweise vertraut sind.

Auch wenn sich der Weg zu Net Zero in jedem Unternehmen unterschiedlich gestaltet, basiert eine erfolgreiche Dekarbonisierung auf drei Dimensionen: den Dekarbonisierungs hebeln, die Unternehmen einsetzen, den Ebenen, auf denen sie tätig werden und den Betrieb transformieren, und den Instrumenten, mit denen Chancen eröffnet und die Transformation beschleunigt werden.

Wo haben die Unternehmen Aufholbedarf?

Immer mehr führende Unternehmen ermitteln die richtigen Hebel für die Dekarbonisierung und in zunehmendem Maße auch die Ebenen, auf denen sie tätig werden müssen. Allerdings haben bisher nur wenige die erforderlichen Instrumente eingerichtet, um diese Lösungen mit der geforderten Geschwindigkeit umzusetzen. Ohne eine vollumfängliche Berücksichtigung der drei Dimensionen der Net Zero-Transformation werden Unternehmen ihre ehrgeizigen Ziele wahrscheinlich nicht erreichen können.

In diesem Text beleuchten wir die grundlegenden Fragen, die als Basis für jede der drei Dimensionen dienen, und zeigen die praktische Umsetzung in Unternehmen aus drei sehr unterschiedlichen Branchen auf: industrielle Fertigung, Technologie und Energieversorgung.


Die drei Dimensionen der Net Zero-Transformation verstehen: Hebel, Ebenen und Instrumente

Hebel

Hebel sind die Lösungen, mit denen die Dekarbonisierungsziele erreichen werden sollen. Geeignete Lösungen bearbeiten die größten Emissionsquellen in der Wertschöpfungskette des Unternehmens. Zu diesem Hebeln zählen unter anderem die Beschaffung erneuerbarer Energien, Energieeffizienz, Emissionsausgleich und emissionsfreie Fahrzeugflotten.

Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Wie viel erneuerbare Energien werden wir einkaufen und bis wann?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt, um in neue Energieträger wie umweltfreundlichen Wasserstoff zu investieren?
  • Wie sollte der Emissionsausgleich in die breitere Dekarbonisierungsstrategie integriert werden?

Ebenen

Ebenen definieren die Bereiche Ihrer Wertschöpfungskette, die im Fokus Ihrer Dekarbonisierungsmaßnahmen stehen sollten. Die Auswahl der richtigen Ebenen ist von den individuellen Merkmalen des Unternehmens abhängig, beispielsweise von der Verteilung des CO2-Fußabdrucks, der Unternehmenskultur, den Ressourcen und Zielen. Mit zunehmender Reife wird sich auch der Ansatz des Unternehmens ändern, sodass letztendlich alle Ebenen zur Net Zero-Transformation beitragen. Ebenen sind Einzelstandorte, Geschäftsbereiche, Lieferanten und Kunden.

Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Wo in unserer Wertschöpfungskette werden die meisten Emissionen erzeugt?
  • Kann die Veränderung besser über einen dezentralen oder zentralen Ansatz vorangetrieben werden?
  • Welche Geschäftsbereiche sind für die vorgeschlagenen Technologien und Maßnahmen am besten geeignet?

Instrumente

Instrumente eröffnen Chancen und beschleunigen die Dekarbonisierung im Unternehmen. Sie umfassen alles von Governance-Modellen über Finanzierungsmechanismen bis hin zu digitalen Tools. Die Instrumente bestimmen letztendlich die Wirksamkeit der Net Zero-Transformation eines Unternehmens.

Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Steht unser Net Zero-Ziel im Einklang mit der Vision und Strategie des Unternehmens?
  • Welche Governance-Strukturen werden die unternehmensweite Verantwortlichkeit steigern?
  • Wie können wir innovative Finanzierungsmechanismen einsetzen, um unser Vorhaben zu beschleunigen?

Dieser dreidimensionale Ansatz bietet Unternehmen die erforderliche Flexibilität und Stringenz, um den richtigen Weg hin zu einer erfolgreichen Net Zero-Transformation zu definieren. Mit diesem Ansatz können die Hebel, Ebenen und Instrumente auf die jeweilige Branche, Unternehmensgröße, Kapazität und Unternehmenskultur zugeschnitten und auf der Grundlage der erzielten Fortschritte sowie des sich ständig verändernden Geschäftsumfelds weiterentwickelt werden.

Erfahren Sie, wie diese Dimensionen bei einem industriellen Fertigungsunternehmen, einem Technologieunternehmen und einem Energieversorger in die Praxis umgesetzt wurden.


Drei Dimensionen in Aktion


Ein internationaler Papierhersteller nimmt seine schwer zu dekarbonisierende Geschäftstätigkeit in Angriff

Ein internationaler Papierhersteller hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2050 Net Zero zu erreichen. 80 % der Emissionen waren auf Wärmeenergie zurückzuführen. Die Dekarbonisierung dieses Bereichs benötigte ein umfassendes Verständnis der verfügbaren Technologien und entsprechenden Kostenfunktionen. Zudem mussten kreative Lösungen für eine schnelle Mobilisierung des erforderlichen Kapitals und der benötigten Ressourcen gefunden werden. Die Net Zero-Transformation des Unternehmens begann mit einem eindeutigen Bekenntnis zu den Zielen und der Strategie des Managements. Eine eingehende Analyse der Emissionsdaten hilft dabei festzulegen, wann und wie die Dekarbonisierungshebel eingesetzt werden sollen. Das Unternehmen ist zuversichtlich, die Dekarbonisierung auf der Grundlage einer eindeutigen Roadmap erfolgreich umsetzen zu können.

Ebenen

Das Unternehmen konzentriert sich zunächst auf seine Kernstandorte und in einem zweiten Schritt auf eine umfassendere unternehmensweite Emissionssenkung.

Hebel

Nach der Analyse verschiedener Dekarbonisierungshebel entschied sich das Unternehmen für: Strom und Gas aus erneuerbaren Energieträgern, Energieeffizienz und Energieerzeugung vor Ort.

Instrumente

Mithilfe der eindeutigen Roadmap muss das Unternehmen im nächsten Schritt den Finanzierungs- und Auftragsvergabebedarf ermitteln. Zusätzlich werden ein Governance-Rahmen und ein Liefermanagementprozess zur Fortschrittsmessung entwickelt.


Blick hinter die Kulissen: Net Zero-Strategie bei Netflix

Am 31. März 2021 verpflichtete sich Netflix, bis Ende 2022 Net Zero-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Das Unternehmen hofft, die Branche mit seiner beschleunigten Nachhaltigkeitsstrategie entsprechend beeinflussen zu können. Netflix möchte seine Zuschauer auf diese ambitionierte Reise mitnehmen. Zu diesem Zweck kommuniziert das Unternehmen seine wissenschaftsbasierte Strategie offen und gibt Einblicke in so komplexe Themen wie den CO2-Fußabdruck von Streaming. Netflix richtet ein starkes internes Team ein, das für die Strategie- und Zieldefinition, den Übergang zu erneuerbaren Energien und den Emissionsausgleich verantwortlich ist.

Ebenen

Da die Hälfte des CO2-Fußabdrucks von Netflix durch die physische Produktion von Inhalten erzeugt wird, konzentriert sich das Unternehmen auf die Dekarbonisierung von Produktions- und Betriebsstandorten. Hierzu zählen eigene Standorte mit Rahmenmietverträgen, wo die Anmietung von Büroräumen beeinflussbar ist.

Hebel

Basierend auf den definierten Ebenen setzt Netflix verschiedene Dekarbonisierungshebel an. Das Unternehmen optimiert die Energieeffizienz, ersetzt fossile Energieträger durch Strom und beschafft die Energie für die Geschäftstätigkeit zu 100 % aus erneuerbaren Quellen. Für die verbleibenden Emissionen wurde eine anspruchsvolle Ausgleichsstrategie erarbeitet, mit der sowohl gefährdete Naturräume geschützt als auch CO2-Emissionen durch Investitionen in die Regeneration natürlicher Ökosysteme aus der Atmosphäre entfernt werden.

Instrumente

Netflix bringt Branchenplayer, gemeinnützige Organisationen und andere Akteure in Bündnissen zusammen, um neue wissenschaftsbasierte Richtlinien zu erarbeiten. Das Unternehmen hatte schnell festgestellt, dass einige Emissionsquellen, beispielsweise in Verbindung mit Streaming, ohne entsprechende Richtlinien und Protokolle nur schwer zu berechnen sind.


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ENGIE beschleunigt die Dekarbonisierung des Energiesektors

Im Mai 2021 gab ENGIE bekannt, bis 2045 für alle Emissionen in der Wertschöpfungskette Net Zero erreichen zu wollen. Dieses langfristige Ziel wird durch Etappenziele für 2025 und 2030 sowie die Verpflichtung zu einer Strategie zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf weit unter 2°C ergänzt. Das Dekarbonisierungsziel von ENGIE wurde im Unternehmenszweck und in der langfristigen Geschäftsstrategie verankert.

Ebenen

Der Plan von ENGIE erstreckt sich auf alle Emissionsquellen und erfordert daher Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen. Die Strategie von ENGIE konzentriert sich auf die Kernaktivitäten in diversen Geschäftsbereichen und Regionen. Gleichzeitig ist ENGIE bestrebt, seine Lieferanten von Waren und Dienstleistungen aktiv in die wirksame Senkung der Emissionen aus der Beschaffung einzubinden. Schließlich hat sich ENGIE zusätzlich verpflichtet, bis 2030 einen Beitrag zur Dekarbonisierung von Kunden um 45 Mio. t CO2 zu leisten, ausgehend von 20 Mio. t CO2 im Jahr 2020.

Hebel

Der Großteil des CO2-Fußabdrucks von ENGIE stammt aus der Erzeugung und dem Vertrieb von Energie. Diese Bereiche stehen daher im Zentrum der Dekarbonisierungsstrategie des Unternehmens. Zu den Hebeln zählen der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern, die Beschleunigung einer klimafreundlichen Infrastruktur, ein vollständiger Kohleausstieg bis 2027, die Senkung der Auslastung von Gasanlagen, der Umstieg auf Ökogas sowie die Kohlenstoffbindung und -speicherung. ENGIE minimiert den Einsatz von Mechanismen für den Emissionsausgleich und gibt qualitativ hochwertigen Vorhaben mit Nähe zum Kerngeschäft den Vorzug.

Instrumente

ENGIE treibt die Veränderungen unternehmensweit über verschiedene Governance-Maßnahmen voran. Hierzu zählen die Koppelung der Leistungsziele und Vergütung des CEOs und des Managementteams an Emissionssenkungen, die Einführung von Emissionsbudgets für ein Emissionsmanagement und die Budgetverwaltung in Verbindung mit der Kapitalallokation sowie die Verbesserung der CO2-Bilanzierung, um die Managemententscheidungen besser zu unterstützen. ENGIE bindet auch Interessengruppen aktiv in den Prozess ein, insbesondere Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden über die Einführung der Net Zero-Strategie.

Diese Fallbeispiele von Unternehmen sind eine Momentaufnahme sehr unterschiedlicher Transformationsstrategien. Und doch lassen sich gemeinsame Erkenntnisse ableiten: Unternehmen können schrittweise Erfolge erzielen, wenn sie die richtigen Dekarbonisierungshebel maßgeschneidert ansetzen. Doch dies reicht nicht aus, denn der Klimawandel ist heute aktuell und keine weit entfernte Bedrohung. Um die eingegangenen Verpflichtungen in dringende und entscheidende Maßnahmen für den Klimaschutz zu überführen, müssen Unternehmen bereits heute ihre Investitionen in die Instrumente der Net Zero-Transformationen hochfahren.


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