Vorbereitung auf die nächste Bedrohung: Barrieren der Klimaresilienz abbauen

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Malavika Bambawale Managing Director, Sustainability Solutions - APAC
Tara Norton Global Head of Supply Chain, Sustainability Solutions - EMEAI
Myriam Akhoun Director, Sustainability Solutions - APAC
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In einem von Schockereignissen und Belastungen geprägten Umfeld entwickelt sich das Thema der Klimaresilienz für Führungskräfte im öffentlichen und privaten Sektor zu einer immer dringlicheren Priorität. Es gibt drei Stellgrößen, mit denen Organisationen sich abzeichnende Risiken besser erkennen und beherrschen können.

Die COVID-19-Pandemie stellt uns vor Herausforderungen beispiellosen Umfangs. Sie konfrontiert uns mit der Realität fragiler Lieferketten, veralteter Infrastruktur und dysfunktionaler Systeme, und ruft uns auf, Verantwortung zu übernehmen. Trotz ihrer Tragweite wird die COVID-19-Krise irgendwann enden. Für den Klimawandel sieht die Prognose hingegen düsterer aus: Er hat dauerhafte physische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen, die sich nicht nur als unerwartete, schwere Schockereignisse manifestieren, sondern auch als fortschreitende chronische Belastungen. Die Zahl der Naturkatastrophen hat sich seit 1980 fast verdreifacht und die damit verbundenen Kosten sind um 600 % auf 200 Mrd. USD pro Jahr gestiegen. Experten erwarten, dass diese Kosten bis zum Jahr 2040 auf 234 Mrd. USD wachsten werden.

Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der aktuelle Pandemie wird dieser Artikel drei zentrale Stellgrößen beleuchten, mit denen Sie die Resilienz Ihres Unternehmens gegen systemische Schockereignisse und Bedrohungen in Verbindung mit dem Klimawandel verbessern können. Unternehmen, die neue Technologien erfolgreich nutzen, die das finanzielle und operative Geschäft überdenken und die, die zur Bewältigung der größten Herausforderungen Partnerschaften eingehen, werden am besten aufgestellt sein, um sich auf zukünftige Risiken vorzubereiten und Maßnahmen zur Vergrößerung von Resilienz umzusetzen.

Warum ist es derart schwierig, die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken zu managen?

Sowohl Unternehmen als auch Regierungen sind sich seit langem der sich abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels bewusst. Die Nachhaltigkeitsziele sind immer ehrgeiziger geworden, aber Unternehmen und Städte haben gleichermaßen das Klimarisiko nur zögerlich in allgemeine Risikomanagementstrategien und langfristige Investitionsentscheidungen integriert. Die Verzögerung kann auf zwei grundlegende Lücken zurückgeführt werden: einerseits ein mangelndes Verständnis dieser Risiken und andererseits Hürden in der Funktionsweise unserer grundlegenden Systeme, um diese Risiken zu bewältigen.

Wissenslücke: Risiken sind schwer verständlich

Mangelndes Wissen ist für viele Unternehmen eines der größten Hindernisse beim Resilienzaufbau. Unternehmen sind sich der aus dem globalen Klimawandel resultierenden Risiken durchaus bewusst. Aber die Übertragung dieser komplexen und verwobenen Risiken auf direkte oder indirekte Folgen für eine Kommune oder ein Unternehmen ist aus folgenden Gründen eine viel anspruchsvollere Aufgabe:

Wir sind nicht nur mit „quantifizierbaren“ Risiken, physischer, finanzieller oder versicherungstechnischer Naturkonfrontiert, sondern auch mit „nicht quantifizierbaren“ langfristigen Risiken wie Verlust von Geschäftswert, Schwächung der Lieferantenbeziehungen und zunehmendem Druck von Stakeholdergruppen.

Diese Risiken treten zudem verteilt über verschiedene Zeithorizonte auf. Es gibt akute, disruptive Risiken wie Pandemien, Überschwemmungen, Hungersnöte oder Orkane, aber auch chronische, sich allmählich verstärkende Risiken wie ein Nachfragerückgang auf Verbraucherseite, zunehmende soziale Ungleichheit, Regionalisierung und Regulierung.

Um die Resilienz zu verbessern ist der Aufbau einer geeigneten Wissensbasis erforderlich, die dabei hilft das Unbekannte von komplexen und miteinander verzahnten Risiken zu reduzieren, während parallel dazu passende Daten- und Prozessgrundlagen geschaffen werden müssen, um bei unvorhergesehenen und disruptiven Ereignissen schnell reagieren zu können.

Implementierungslücke: Maßnahmen zur Minderung der Risiken sind schwer umsetzbar

Kaum quantifizierbare und prognostizierbare Bedrohungen lassen sich nur schwer entschärfen. Komplexe Herausforderungen der Menschheit, wie der Anstieg der Meeresspiegel, Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit und immer häufigere Brände, Überschwemmungen und Dürren werden Lösungen jenseits der klassischen Investitionskriterien erfordern. Solche Lösungen passen nicht zu schlanken Betriebsmodellen und bringen Herausforderungen in einer Größenordnung mit sich, die von einem einzelnen Unternehmen allein nicht mehr zu bewältigen sind. Diese systemischen Hindernisse führen letztendlich dazu, dass sich die einzelnen Akteure weniger verantwortlich fühlen und sowohl der individuelle als auch der kollektive Fortschritt zum Erliegen kommen.

  • Organisationen stehen im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Resilienz. Grundlegende Systeme, die der Profitabilitätsmaximierung dienen sollen, stehen den zentralen Grundsätzen des Resilienzaufbaus entgegen. Unternehmen streben nach geringeren Kosten und zentralisieren dabei oft den Betrieb und minimieren somit Redundanzen,– das genaue Gegenteil von dem, was für den Aufbau belastbarer Systeme erforderlich wäre. Richten wir den Blick auf die Lieferketten. Nach Jahrzehnten der Globalisierung mit immensem Kostensenkungsdruck haben sich die Lieferketten zu unglaublich komplexen, mehrschichtigen, weltweit überspannenden Netzwerken entwickelt, die von kostengünstigen Arbeitskräften und komplexen Transportnetzwerken abhängig sind. Die Lieferketten, die auf dem Prinzip des optimierten Shareholdervalues beruhen, sind extrem anfällig für steigende regulatorische, wirtschaftliche und physische Risiken.
  • Das Ausmaß des Risikos erfordert kollektives Handeln. Jedoch ist das in Einklang bringen der verschiedenen Interessen zwischen den verschiedenen Stakeholdern eine Herausforderung. In Krisenzeiten gelingt es verschiedenen Gruppen von Organisationen, sich in einer Gemeinschaft zusammenzuschließen. Die COVID-19-Pandemie hat eine Unzahl von Beispielen offenbart, bei denen sich Städte, Krankenhäuser und Unternehmen zusammengeschlossen haben, um provisorische Krankenhäuser zu errichten, Impfstoffe herzustellen oder Bürger mit Testeinrichtungen zu versorgen. Es ist jedoch weitaus schwieriger, kollektive Verantwortung zu übernehmen, wenn es darum geht, zu planen, anstatt zu reagieren.

Obwohl sich die Interessensgruppen, um die Resilienzplanung voranzutreiben, seit Jahren in sektorübergreifender -sowie in Multi-Stakeholder- Zusammenarbeit engagieren, , müssen diese Aktionen beschleunigt werden, um dem kritischen Moment gerecht zu werden. Partnerschaften zwischen verschiedenen Stakeholdergruppen kommen oft nicht in Schwung, weil die Anreize falsch ausgerichtet sind oder die Visibilität zwischen den Gruppen begrenzt ist. Ohne sorgfältig ausgearbeiteten Geschäftsmodellen, gemeinsam geteilten Visionen, praktikablen Beteiligungsmodellen und transparenter Fortschrittsberichterstattung, werden kollektive Maßnahmen mit der Zeit ins Stocken geraten oder erodieren.

Aktivierung nachhaltiger Resilienz: drei Ansätze zur Schließung der Resilienz-Fähigkeitslücken

Bei der Entwicklung von Strategien zur Risikobegrenzung müssen Unternehmen klimabedingte Risiken berücksichtigen. Innerhalb dieses Planungsprozesses sollten Organisationen die Risiken, denen sie ausgesetzt sind, nach Schwere und Vorhersehbarkeit klassifizieren.

Diese Matrix bietet den Organisationen einen Leitfaden für die Bewertung ihrer Risiken. Je weniger vorhersehbar das Risiko, desto größer ist der Bedarf an grundlegenden Systemen, welche Organisationen mit dem notwendigen Wissen ausstatten, um in Krisenmomenten wirksam handeln zu können. Je schwerwiegender das Risiko, desto größer ist die Notwendigkeit, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen oder Koalitionen zu bilden, um sich an den Kosten, und an den Risiken reduzierenden Maßnahmen zu beteiligen.



Um die Wissens- und Implementierungslücken, mit denen sowohl die Wirtschaft als auch die Regierungen konfrontiert sind, bestmöglich zu schließen, werden wir uns auf drei Schlüsselmöglichkeiten konzentrieren: Technologie, operative Puffer und Partnerschaften.

Obwohl die COVID-19-Pandemie enorme systemische Schwächen aufgezeigt hat, wurden auch klare Lösungen entwickelt. Erfolgreiche Unternehmen und Behörden haben die Ausbreitung des Virus mit wissenschaftlichen und technologischen Verfahren modelliert und getestet. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen haben sie ihre Geschäftstätigkeit umgestellt und Vereinigungen zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen gebildet. Genau solche Stellhebel müssen angesetzt werden, um Maßnahmen zum Aufbau von Klimaresilienz besser zu planen und implementieren.

Technologie

Einsatz von Technologie, um systemische Risiken besser zu modellieren und nachzuverfolgen.

Es gibt inzwischen neue Tools, mit denen das Wissensdefizit signifikant reduziert werden kann. Mit diesen Tools können Organisationen zukünftige Risiken besser modellieren und in Krisenzeiten schnell reagieren. Führungskräfte sollten Investitionen in folgenden Bereichen erwägen:

  • Bewertung risikobehafteter Anlagen und Lieferanten mit Klima-Mapping-Tools. Klimawissenschaftliche Modelle haben sich als äußerst präzise erwiesen und sind heute über neue Anwendungen noch einfacher zugänglich. Sie können nun genutzt werden, um Entscheidungen zu Immobilienanlagen, Infrastruktur- und Fertigungsplanung mit Daten zu unterfüttern sowie Beschaffungsrisiken abzubilden. Eines dieser Tools ist Aqueduct Floods, ein vom World Resource Institute entwickeltes globales Online-Mapping-Tool. Mit diesem Tool werden nicht nur Risikoregionen identifiziert, sondern auch Sach- und Personenschäden quantifiziert sowie Wirkung und Kostenvorteile möglicher Eingriffe evaluiert.
  • Mit so genannten „Digital Twins“ können komplexe Umgebungen simuliert werden, um die Resilienzplanung zu stärken. Mit neuen Technologien wie dem Internet der Dinge, 3D-Modellierung und Advanced Simulations hat sich die Fähigkeit zur Modellierung komplexer vernetzter Systeme zur Resilienzstärkung signifikant verbessert.
  • Städte weltweit setzen digitale Zwillinge ein, damit Politiker, Stadtplaner und Immobilieneigentümer die Auswirkungen des Klimarisikos auf Städte und urbane Projekte vor der Umsetzung visualisieren können. Mit diesen Tools werden große Datensätze wie Echtzeitsensordaten, Gebäudeansichten und Geodaten in robuste Städtebausimulationen eingespeist. Diese Simulationen bilden die Datenbasis für die Vorhersage der Folgen von Überschwemmungsrisiken für die urbane Infrastruktur, für die Ermittlung von Chancen für den Einsatz erneuerbarer Energien und eine Vielzahl anderer urbaner Transformationsvorhaben.
  • Die Region Ile-de-France hat ein wegweisendes digitales Zwillingsmodell implementiert. Ziele waren die Verbesserung der Lebensqualität für die Einwohner, die beschleunigte Umsetzung von Maßnahmen zur CO2-Einsparung und der Resilienzaufbau.

Mithilfe der Siradel-Plattform von ENGIE gelang es der Region Ile-de-France, in nur sechs Monaten eine Datenbasis aus 10.000 Einzeldatensätzen aufzubauen und über 2,5 Millionen Gebäude in einer Gemeinschaftsplattform zu modellieren, auf die mehr als 12 Millionen Stakeholder zugreifen können.

  • Mit den Visualisierungen konnten schnell Anwendungen angeboten werden, um die Bürger bei der Bewertung von Solaranlagen, klimafreundlichen Pendlerlösungen und einer Vielzahl anderer lokaler Ressourcen zu unterstützen.
  • Nach gelungener Einrichtung der grundlegenden Infrastruktur konnte die Region Ile-de-France als schnelle Reaktion auf die COVID-19-Krise in nur drei Tagen eine Kollaborationsplattform in Betrieb nehmen, um die Kommunen mit den benötigten Ressourcen zu vernetzen.
  • Echtzeitdaten verbessern die Nachverfolgbarkeit in Lieferketten. Die Blockchain verbessert die Sichtbarkeit von Echtzeitdaten erheblich. In Krisenzeiten können die Wahrscheinlichkeit von Lieferkettenstörungen gesenkt und alternative Lieferanten identifiziert werden. Um die steigende Nachfrage nach persönlicher Schutzausrüstung zu decken, setzt der größte New Yorker Gesundheitskonzern auf Blockchain-Technologie. Mit der Blockchain-Anwendung Rapid Supplier Connect von IBM wurde der Gesundheitskonzern schnell an ein verteiltes Lieferantennetzwerk außerhalb des herkömmlichen Beschaffungssystems angebunden. Dank Distributed Ledger-Technologie konnten die Prüfung und Eingliederung neuer Lieferanten, die unter normalen Bedingungen Monate in Anspruch genommen hätten, sehr schnell abgeschlossen werden. Technologien zur schnellen Reaktion auf Störungen der Lieferketten werden in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein, da Extremwetterereignisse Lieferanten in Risikoregionen auch in Zukunft vor ernsthafte Probleme stellen werden.

Operatives Geschäft

Erschließung von Investitionen in die betriebliche Flexibilität durch robuste Bewertungen der Klimarisiken

Um wirtschaftlichen Erschütterungen zu widerstehen, müssen Organisationen in Infrastruktur, Betriebspuffer und flexible Systeme investieren, die ihre Anlagen widerstandsfähiger machen und ihre Flexibilität erhöhen. Aber sowohl Wissens- als auch Implementierungslücken behindern den Fortschritt. Obwohl Unternehmen zunehmend klimabedingte Risiken offen legen, berechnen nur wenige die finanziellen Auswirkungen oder die Wahrscheinlichkeit dieser Risiken ausreichend. Wenn diese Wissenslücke nicht geschlossen wird, werden die meisten Organisationen nicht in der Lage sein, die notwendigen Maßnahmen zur Risikominderung umzusetzen. Stattdessen sollten die Organisationen die Betrachtung durch die Linse des Klimarisikos nutzen, um das Management operativer Risiken zu überdenken und Investitionskriterien neu zu definieren.

Etablierte Rahmenwerke wie die Taskforce zur Offenlegung klimabezogener Finanzdaten (TCFD) bieten detaillierte Richtlinien, die den Unternehmen helfen sollen, ihre wichtigsten finanziellen Auswirkungen zu berücksichtigen, einschließlich vermiedener Ausgaben, Aktiva und Passiva, Einnahmen sowie Kapital- und Finanzierungsüberlegungen. Die Berücksichtigung vermiedener Ausgaben (z.B. reduzierte Instandhaltungskosten und niedrigere Versicherungsprämien) und ein verbesserter Zugang zu Kapital (z.B. durch nachhaltigkeitsgebundene Darlehen oder grüne Anleihen) können den Geschäftsnutzen von Investitionen in kritische Infrastruktur und betriebliche Flexibilität neu definieren.

Jeder $1, der in eine belastbare Infrastruktur

investiert wird, Spart $6 an zukünftigen Kosten.

Quelle: (Nationales Institut für Bauwissenschaften)

Durch die angemessene Berücksichtigung von Risiken können Unternehmen die folgenden wichtigen Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit ergreifen:

  • Investitionskriterien für Kapitalprojekte unter Berücksichtigung des Klimarisikos neu formulieren. Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz, wie Microgrids, Infrastruktur für E-Mobilität oder sogar naturnahe Lösungen werden sich in der Amortisationszeit unterscheiden. Um die mit dem Klimawandel verbundenen langfristigen Vorteile und Risiken besser zu berücksichtigen, sollten Investitionsentscheidungen auf Portfoliobasis getroffen werden, wobei die aggregierten Kosten und Vorteile von Technologien über einen längeren Zeithorizont bewertet werden sollten.
  • Bauen Sie Reservekapazitäten auf, um Ihr Risiko zu diversifizieren. Vergrößern Sie den Pool der Lieferanten, um die Flexibilität zu haben, im Falle einer Betriebsunterbrechung rasch wechseln zu können.
  • Benutzen Sie bei der Bewertung von Lagerbeständen und der Gewährleistung von deren ausreichenden Verfügbarkeit die Betrachtung durch eine Klimaperspektive, um sicherzustellen, dass diese einem extremen Klimaereignis standhalten können.
  • Lokalisieren Sie Quellen und Lieferanten. Lagern Sie die Bestände näher an den Kunden. Identifizieren Sie lokale Quellen, um die lokale Lieferantenkapazität entlang gefährdeter Transportwege zu erhöhen.
  • Investieren Sie in kritische Beziehungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Erwägen Sie, diese Beziehungen mit längerfristigen Partnerschaften oder dem Status eines bevorzugten Lieferanten zu untermauern, und arbeiten Sie mit ihnen zusammen, um ihnen zu helfen, ihre Risiken zu verstehen und Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

Partnerschaften

Zusammenarbeiten, um Kosten, Risiken und Erkenntnisse zu teilen

Die Vielfalt der wirtschaftlichen Systeme wird ein wichtiger Hebel zur Bewältigung der systemischen und kollektiven Herausforderungen sein, die der Klimawandel mit sich bringt. Während Gemeinschaften oft nach einem Extremereignis zusammenkommen, ist diese kollektive Aktion im Planungsstadium viel schwieriger umzusetzen. Schon vor Jahren sind Foren wie die C40, der WBCSD und das Weltwirtschaftsforum entstanden, um das Lernen und den Wissensaustausch zu erleichtern. Dennoch bestehen auf lokaler Ebene nach wie vor Lücken bei der Anwendung vieler dieser kollektiven Best Practices. Ohne klare Anreize und Verantwortlichkeiten wird der Fortschritt in den lokalen Wirtschaftssystemen nur langsam vorankommen. Um diese Hindernisse am besten zu überwinden, brauchen die Partner ein klares Geschäftsmodell, sorgfältig konzipierte Beteiligungsmodelle und eine transparente Kommunikation über die erzielten Fortschritte.

  • Aufbau von belastbaren Beteiligungsmodellen für Investitionen in die Infrastruktur. Es gibt diverse Geschäftsmodelle, bei denen die Investitionskosten und das operative Risiko von Maßnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz im Voraus geteilt werden. In einem Energy-as-a-Service-Modell, wie beispielsweise einem lokalen Solarstromliefervertrag, ist der Projektentwickler für die Beschaffung und Installation von Solarkollektoren am -Standort des Kunden verantwortlich und bleibt auch Eigentümer der Solarmodule. Er verkauft den Strom pro Einheit an den Kunden. Der Kunde seinerseits tätigt keine Investitionsausgaben und zahlt für die Leistung (d. h. grüne Energie) in dem Umfang, wie er sie nutzt. In einem Modell zur gemeinsamen Nutzung kritischer Infrastruktur, beispielsweise in Krankenhäusern oder an Flughäfen, sind die resilienten Aktiva, beispielsweise das Microgrid, ausschließlich als Backup-Lösung zur Sicherung der Stromversorgung bei Netzausfall konzipiert, zum Beispiel bei Feuer, Sturm oder anderen unvorhergesehenen Ereignissen. Der Projektentwickler finanziert und installiert das Microgrid am -Standort des Kunden und verpflichtet sich, dem Kunden im Notfall mit Strom zu versorgen. Außerhalb von Notfällen kann er das System als Netzressource betreiben und den erzeugten Strom am Markt verkaufen. Mit den aus diesem Modell generierten Einnahmeströmen kann der Projektentwickler die Leistung wesentlich preiswerter zur Verfügung stellen, als dies dem Host bei eigener Investition in das System möglich wäre.
  • Nutzen Sie Kreislaufmodelle, um resiliente Ressourcen und neue Wertströme zu erschließen: Zirkuläre Partnerschaften, bei denen der Überschuss des einen zur Ressource des anderen wird, eröffnen oft enorme Chancen für einen optimierten Ressourcenverbrauch. Innovative Führungskräfte in geclusterten und ressourcenintensiven Industriehäfen übernehmen eine Vorreiterrolle bei der Einrichtung solcher Kreislaufmodelle. Im Jahr 2018 kamen im Hafen von Dünkirchen lokale Unternehmen zusammen, um die Energie-, Wasser- und Materialströme zu kartieren, die von ihren lokalen Produktionsprozessen erzeugt werden. Mit dieser Transparenz konnten die Unternehmen strategische Synergien und Partnerschaften identifizieren, die durch robuste Geschäftsmodelle gestärkt wurden. Durch die Modellierung der Kosteneinsparungen und Umweltvorteile konnte der Unternehmensverbund schnell symbiotische Beziehungen identifizieren, in denen die Unternehmen Ressourcen austauschen und konnten damit die Umweltbelastung zu einem Bruchteil des Preises reduzieren.

gradient-quote Symbiotische Partnerschaften dieses Typs erschließen nicht nur lokalere und damit resilientere Ressourcen, sondern setzen auch neue Wertströme frei. gradient-quote-right
ENGIE Impact,

Warum gerade jetzt?

Schlüsselmomente nutzen, um den Wandel zu beschleunigen

Wie der Stanford-Ökonom Paul Romer einmal sagte: "Eine Krise ist eine schreckliche Sache, die man nicht verschwenden sollte". Auch wenn die Welt derzeit – im Zuge der COVID-19-Pandemie und inmitten eines schnell voranschreitenden Klimawandels – vor beispiellosen Herausforderungen steht, müssen Führungskräfte die gestiegene Bereitschaft und Dringlichkeit nutzen, um transformative Veränderungen durchzuführen, die die Klimaresilienz stärken.

Manche Organisationen haben diesen Moment bereits ergriffen, um ihre Bemühungen zur Erhöhung ihrer Resilienz zu beschleunigen. Die Europäische Kommission hat einen Gesetzesentwurf zum Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft nach der Coronavirus Pandemie vorgelegt, der ausdrücklich mit Fortschritten bei der Erreichung von Klimaschutzzielen verknüpft ist.

In Genua wurde der Wiederaufbau der Morandi-Brücke in Rekordzeit abgeschlossen und die Brücke mit Solarpanels ausgestattet, um das integrierte Sensornetzwerk zur Überwachung des Instandhaltungsbedarfs mit Strom zu versorgen. Pakistan setzt beispielsweise über 63.000 Arbeiter für die Anpflanzung von Setzlingen zur Wiederaufforstung der Wälder und Bekämpfung des Klimawandels ein.

Lösungen sind verfügbar und das kollektive Bewusstsein ist auf das Ergreifen von konkreten Maßnahmen ausgerichtet. Wie baut man wirkliche Resilienz auf? Unternehmen und Behörden müssen das Dringlichkeitsgebot der Stunde nutzen, um strukturelle Veränderungen festzuschreiben, neue Technologien einzuführen und sich gemeinsam für den Fortschritt engagieren.



Die Autoren bedanken sich bei Sabeeha Islam und Jeff Waller recht herzlich für ihre aktive Mitarbeit.